Sprachprojekt für neu zugewanderte Jugendliche

In Schulen und Kindertagesstätten kommen aktuell zu den Kindern mit Migrationshintergrund immer mehr neu zugewanderte Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrungen. In den Bundesländern und Kommunen gibt es eine große Bandbreite von Modellen zur Integration in die Bildungseinrichtungen, zum Beispiel in Willkommens- oder Deutschlernklassen. In Hessen werden neu zugewanderte Kinder und Jugendliche in Intensivklassen in maximal zwei Jahren auf den Übergang in die Regelklassen vorbereitet.

Einen praktischen Lösungsansatz wie dies gelingen kann, bietet seit 2014 ein Kooperationsprojekt des EXPERIMINTA ScienceCenters mit der universitären Lehrerbildung der Goethe-Universität Frankfurt. In diesem Projekt begegnen Studierende geflüchteten Jugendlichen, begleiten sie beim Start ins Deutsche und erproben ihre eigenen kommunikativen und methodischen Fähigkeiten.

Im Rahmen des Projekts besuchen die Intensivschülerinnen und -schüler das EXPERIMINTA ScienceCenter mit seinen mehr als 130 Experimentierstationen. Dabei regen die Stationen nicht nur zum Experimentieren und Forschen an, sondern ermutigen die Jugendlichen auch, darüber zu sprechen. Mit Unterstützung der Studierenden probieren die Schüler aus und versuchen mit Hilfe von Modellen, Skizzen und Fotos ihren deutschen Wortschatz zu erweitern. Bei dieser Entdeckertour wählt sich jeder Teilnehmer seine persönliche Lieblingsstation aus und beginnt danach in einem Sprachworkshop, die Erfahrungen zu verarbeiten und auf Deutsch zu formulieren.

Nach dem Tag in der EXPERIMINTA lernen die Jugendlichen in der Schule weiter und arbeiten dabei eine schriftliche und mündliche Präsentation dazu aus. Auch hier sind die Studierenden natürlich wieder unterstützend an ihrer Seite.

Bei ihren Vorbereitungen für die Präsentation entstehen automatisch immer wieder Kommunikationssituationen zwischen den Jugendliche. Gemeinsam üben sie Anredekonventionen, Satzanfänge, Dialogmuster bei Teampräsentationen, Textentlastung und natürlich den Fachwortschatz bei der Erklärung ihrer Experimentierstationen. Mit diesem handlungsorientierten Konzept lernen sie situationsbezogen Deutsch.

An einem Nachmittag ist es dann soweit. Jeder Jugendliche stellt seine ausgewählte Experimentierstation in der EXPERIMINTA vor. Dabei nutzen die Schüler alles, was sie von der deutschen Sprache gelernt haben: beschreiben, benennen, auffordern, fragen und vieles mehr.

Entstandene Materialien

Im Rahmen des Projekt sind umfangreiche Materialien entstanden:

Projektleitung

Die Projektleitung liegt bei Dr. Marianne Wiedenmann (Goethe-Universität Frankfurt), die auch die zugehörigen Seminare an der Universität durchführt.

Bei Interesse an dem Projekt wenden Sie sich bitte direkt per E-Mail an Dr. Wiedenmann.

Förderer

Wir danken folgenden Förderern für die Unterstützung des Projekts:

Das Pilotprojekt

Im Herbst 2014 begann die Pilotphase des Projekts. Im Schuljahr 2014/2015 nahmen 218 Jugendliche mit 54 Sprachen aus 12 Schulen mit 17 Intensivklassen teil. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der EXPERIMINTA wurden Basiskompetenzen beim Hörverstehen und Sprechen für Deutsch als Zweitsprache (DaZ) vermittelt, um bei den Entdeckertouren und Sprachworkshops angemessener auf Sprachanfänger eingehen zu können.

Ausgehend von der einführenden EXPERIMINTA-Broschüre „Die kleinen MINT-Forscher“, die auch in englischer Sprache zur Verfügung stand, wurden zunächst geeignete Basistexte zu 10 Experimentierstationen in leicht verständlicher Sprache entwickelt. Nach einigen Monaten lagen diese Basistexte in deutsch, englisch und fünf weiteren Sprachen vor, die von bilingualen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der EXPERIMINTA übersetzt wurden: Valentina-Alexandra Mohai (Rumänisch), Burcu Tevmen (Türkisch), Georgi Iliev (Bulgarisch), Natalia-Lorena Jakobi (Spanisch) und Julian Schmidt (Französisch). Weitere Übersetzungen kamen und kommen seit dem in unregelmäßigen Abständen hinzu.

Folgender Projektablauf bewährte sich:

  • Erstes Modul: ein halber Tag Besuch in der EXPERIMINTA mit Entdeckertour und Sprach-Workshop.
  • Zweites Modul: Vertiefung im Unterricht – teilweise mit Unterstützung durch Lehramtsstudierende aus Seminaren von Dr. Wiedenmann.
  • Drittes Modul: Präsentation in der EXPERIMINTA - teilweise mit Unterstützung durch Studierende.

Hinzu kamen Anregungen zur Umsetzung der Förderideen für andere Frankfurter Museen und mehrsprachige Willkommens-Tafeln im Eingangsbereich des Science Centers.

Die Arbeiten der Intensivklassen der  Fürstenbergerschule in Frankfurt a.M. können die Ergebnisse eines Durchlaufs beispielhaft verdeutlichen. Hier können Sie ein erstes Beispiel von Frau Michalaki von einem Besuchsvormittag und ein zweites Beispiel mit Ergebnissen des Sprachworkshops mit Schülertexten zu kreativen Spiegelinstallationen der Intensivklasse von Frau Dr. Lang herunterladen (pdf).


Mitwirkende in der Pilotphase waren:
Der Projektverantwortliche war Norbert Christl, EXPERIMINTA.
Das AmkA wurde durch Marianne Spohner vertreten, unterstützt von Diplompädagogin Brigitte Loreth.
Projektleiterin des Vorhabens war Dr. Marianne Wiedenmann.