* 1966 | Germany 

Bereich:  Technology 

Tischlerin | Zimmermeisterin | Restauratorin im Zimmerhandwerk | Energieberaterin 

Meine Arbeit: 

Fachbereichsleiterin für Denkmalpflege an der Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld

Kurze Tätigkeitsbeschreibung:

Fachbereichsleitung für Fortbildungen in den Bereichen; Denkmalpflege, Handwerkskultur, Bau- und Energietechnik und umfängliche Lehrgänge wie Restaurator*in im Handwerk – Master Professional sowie Energieberatende für Baudenkmale

© Björn Toelstede

Heike Notz

"Auf der Baustelle sollten wir mehr werden!"

Ihre Vision für »Frauen in MINT«

Hilfreich waren für mich: unkonventionelle Baukollektive mit einem ganz normalen Verhältnis zum Thema Frauen auf dem Bau. Mithilfe der ganzen Szene um die Reisenden Gesell*innen, mein eigenes Zimmereikollektiv und die regelmäßigen Treffen der Bauhandwerker*innen habe ich mir meine eigene Welt der Normalität im Handwerk geschaffen.
Hatten Sie als Kind eine klare Vorstellung davon, wie Ihre Zukunft aussehen sollte?

Nein, als Kind hatte ich keine klare Vorstellung wie meine Zukunft aussehen soll. Spaß am Handwerken hatte ich schon von klein auf. In der Schule hat mich geärgert, dass wir Mädchen nur 50 % Werkunterricht haben durften und noch 50 % Handarbeitsunterricht machen mussten. Die Jungs durften 100 % werken, das war ungerecht. Ein Glück durfte ich bei meiner Freundin im Hobbykeller ihres Vaters und auch Zuhause alles ausprobieren und einfach loslegen, ohne dass jemand Angst um meine kleinen Finger hatte.

 

Dinge und Erfahrungen aus meiner Kindheit und Jugend, an die ich mich noch gerne erinnere:

  • mein eigener Werkzeugkasten
  • den Bau von Hütten im Wald mit Schülergruppen und Freunden und
  • ein Abenteuerspielplatz mit Werkzeugausgabe (war in den 1970er eine tolle Mode für die Kindererziehung) in meinem Heimatort Berlin.

 

Meine Kindheitsideen für die Zukunft reichten von Stewardess bis Holzfällerin in Kanada. Im Laufe der Zeit führten vielleicht auch das „Rumstromern“ in kaputten Gebäuden (heute „Lost Places“ genannt) und Hausbesetzungen zu meinen speziellen Vorlieben an alten Dingen und Gebäuden. Unbewusst gab es damals schon die Idee, das Alte zu erhalten und daraus etwas Brauchbares zu machen. Das mache ich heute noch.

Letztendlich hatte die Ablehnung meiner Bewerbung an der HDK (Hochschule der Künste) großen Einfluss auf mein Leben. Danach kam die Idee Tischlerin zu werden. Kunst könnte ich später noch studieren. Nach der Lehre war das aber nicht mehr so wichtig, auch wenn ich immer noch gerne male und forme. Weibliche Vorbilder im Handwerk fand ich erst auf der Wanderschaft.

Im BBZ (Berufsbildungszentrum) hatte ich einen interessanten Film über Möbelrestaurator*innen gesehen. Das fand ich spannend, aber der Weg dahin schien mir endlos. Trotzdem war es vielleicht ein unbewusster Anstoß, weil ich heute fast genau da gelandet bin.

 

Altes bewahren und Bauen im Bestand war immer selbstverständlich, da kam der Weg in die Denkmalpflege automatisch. Mehr und mehr war klar, dass für mich im Umgang mit historischer Bausubstanz die wirklich interessanten handwerklichen Aufgaben liegen. In der klassischen Zimmerei sehe ich nur noch stupide Fertigteilmontage, das ist wenig herausfordernd. Heute leite ich die Fortbildung der Restaurator*innen im Handwerk und arbeite nur noch selten an der Säge.

Die Zusammenarbeit mit anderen, etwas für die Denkmalpflege zu schaffen und Bildung ist immer wichtig. Ich bin am Ziel angelangt. Mir gefällt die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen, engagierten Dozierenden und interessierten Teilnehmenden.

Handwerklich bin ich recht begabt. Von klein auf war ich stolz, auch kräftig anpacken zu können, habe keine Scheu vor Dreck und Spinnenweben und bin schwindelfrei. Ich mische mich gerne ein, besitze eine Portion Neugier und bin offen für Neues. Ich organisiere mich gerne um gemeinsam mehr zu erreichen. Heute bin ich Vorstandsvorsitzende des Dachverbands der Restauratoren im Handwerk e.V. Auch diese Position und dieses Ehrenamt helfen mir mich weiter zu entwickeln. Vernetzen ist wichtig!

Hört nicht auf Berufe-Tipps anderer, sondern auf euren wirklichen Interessen. Startet die Ausbildung auf die ihr Lust habt und entwickelt das weiter. Sucht euch die richtigen Verbündeten, Unterstützung kann nie schaden. Bedenkt auch, dass technische Berufe i.d.R. besser bezahlt werden.

EXPERIMINTA