*1979 | France 

Bereich: Mathematics | Natural Science  

Physik und Mathematik Studium | Doktorarbeit in der Physik | zweite Staatsprüfung für das Lehramt 

Meine Arbeit: 

Lehrerin Physik & Mathematik • Projektleiterin FUTURA ›Radioastronomie & Erde-Mond-Erde-Verbindungen für Schulen

Kurze Tätigkeitsbeschreibung:

Nach einem erfolgreichen Quereinstieg im Jahr 2018 unterrichte ich die Fächer Mathematik und Physik am Robert-Havemann-Gymnasium in Berlin. Im Januar 2024 habe ich ein großes Radioastronomie-Projekt ins Leben gerufen mit dem Ziel, Schülern und Studenten radioastronomische Beobachtungen und Erde-Mond-Erde-Funkverbindungen zugänglich zu machen. Dazu baue ich mit einem Kollegen eine ehemalige Erdfunkstelle in eine Radiosternwarte um.  

Safia Ouazi

"Liebe junge Frauen, blicken Sie in die Zukunft, sie wartet auf Sie. Um Ihre Träume zu verwirklichen, werden Sie kämpfen müssen. Vergessen Sie aber nicht: Sie sind viel besser, als Sie denken!"

Ihre Vision für »Frauen in MINT«

Mädchen aber auch Arbeiterkinder oder Kinder mit Migrationshintergrund stellen ihr Talent häufiger infrage. Die MINT-Branche muss diesem kompetenten Nachwuchs Chancen geben und die genialen Wissenschaftler*innen der Zukunft abholen, wo sie sind: In der Schule!

Mir war klar, dass ich aktiv meine Zukunft schreiben muss. Hilfreich war für mich, wenn meine Träume und Projekte ernst genommen wurden. Menschen aus allen sozialen Schichten kennen zu lernen, die Hindernisse überwunden oder Träume verwirklicht haben, inspirierten mich und zeigten mir, dass viel möglich ist.

Ich wollte das unendlich Kleine und das unendlich Große erforschen. Auf diesem Weg musste ich demütigende Hinweise wie „zu schwierig“ und „unmöglich“ ignorieren.

Hatten Sie als Kind eine klare Vorstellung davon, wie Ihre Zukunft aussehen sollte?

Als Kind hatte ich keine klare Vorstellung vom Beruf, den ich ausüben wollte. Ich war aber von der Erforschung der Natur begeistert und habe viel Zeit im Technik-Museum verbracht, um experimentelle Anordnungen und live-Experimente zu sehen.

 

Meine Faszination für die Astronomie begann in der Oberstufe. Ich habe damals mein einziges Astronomiebuch ständig durchgeblättert und so oft gelesen, dass ich mit geschlossenen Augen das Hertzsprung-Russell-Diagramm sehen konnte. An meinem Gymnasium haben zwei engagierte Lehrerinnen astronomische Beobachtungen für Schüler nach der Schule organisiert. Die Wahrnehmung der entfernten Himmelskörper durch ein Teleskop war für mich der Auslöser. Mein Ziel ist geworden, die unsichtbaren und unerklärten Phänomene des Universums zu messen und zu untersuchen. Dieses Ziel verfolge ich heute in der Schule immer noch. Ich baue durch viele Projekte eine Brücke zwischen Forschung und Schule, um Schülerinnen und Schülern für die Naturwissenschaften zu motivieren.

Meine Eltern hatten einen großen Einfluss auf mein Studium und auf meinen Werdegang. Meine Mutter kommt aus einer armen Familie und ist immer mit offenen Augen durch das Leben gegangen. Sie hat mir die Neugier, den Wissensdurst und die Kreativität beigebracht. Mein Vater hat die Schule nur bis zur Klasse 4 besucht, dann begann der Algerienkrieg. Sein Dorf wurde abgebrannt, die Männer getötet und er musste arbeiten, damit seine Mutter und seine Schwester nicht verhungern. Er hat später dafür gekämpft, damit meine Geschwister und ich dank Schule und Ausbildung eine Entscheidungsfreiheit für unser Leben gewinnen.

 

Später hatte ich das Glück, einige Professoren und Forscher kennenzulernen, die mir Kraft und Selbstvertrauen gegeben haben. Während meines Praktikums in einem Max-Planck-Institut, hat der Forscher Dirk mich selbstständig Experimente durchführen lassen. Ich war 21 Jahre alt. Zurück in Frankreich habe ich an meiner Universität einen Vortrag darüber gehalten. Als ich den Alltag im Labor beschrieb, sagten mir zwei Professoren: „Sie wollen uns jetzt nicht erzählen, dass Sie allein mit einer 2-Mio-Euro-Anlage dünne Schichten erstellt und untersucht haben!“ und lachten. Ich bin weinend nach Hause gerannt. Meine Ergebnisse wurden veröffentlicht und ich habe mit Dirk immer wieder gerne zusammengearbeitet. Im Februar – 23 Jahre später – habe ich das Institut mit meinem Physik Leistungskurs besucht!

 

Heute als Mutter und Lehrerin achte ich darauf, dass Mädchen, Arbeiterkinder und Kinder aus Minderheiten das Selbstbewusstsein, das ihnen oft fehlt, gewinnen.

 

Ich bin ohne Fernseher in einer großen Stadt aufgewachsen und die Stadtbibliotheken haben in meinem Leben eine große Rolle gespielt. Als Studentin fragte ich mich, wie fachliche Bücher entstehen. Während meiner Doktorarbeit habe ich von meinem Betreuer Julien die Wichtigkeit der Experimente für die Entstehung neuer Kenntnisse gelernt. „Die Messungen, die wir heute durchführen,“ sagte er oft, „sind unsere Fragen an die Natur“. Mit den Antworten werden die Physikbücher der nächsten Jahrzehnte geschrieben.

 

Die Planung und Durchführung von Messungen, die kritische Auswertung der Ergebnisse sind wichtige Aspekte des Physik-Unterrichtes.

 

Ich bin heute eine glückliche Lehrerin und fühle mich wohl in meiner Schule. Die Arbeit mit Jugendlichen bringt mir täglich Ideen und Inspiration. Die Schülerinnen und Schüler sind mit ihrer Vielfalt lebendig, anstrengend, träge und faul, aber auch berührend, zukunftsorientiert und kreativ. Sie sind unsere Zukunft. Ich bemühe mich mit der Unterstützung meiner engagierten Kollegen, Nachwuchs für die Naturwissenschaften, die Ingenieurtechniken, die Astronomie und den Amateurfunk zu gewinnen.

 

Im September 2022 hatte ich das Privileg, an einer NASA / DLR-Mission teilzunehmen und an Bord einer fliegenden Sternwarte sein zu dürfen. Ich berichte gerne über dieses Erlebnis.

 

Jedes Jahr bereiten Schülergruppen Messkampagne für Stratosphärenfluge vor: Wir lassen Stratosphärenballons mit Sensoren fliegen und die Messergebnisse werden nach dem Flug von den Schülerinnen und Schülern ausgewertet.

 

Im Juli 2024 wurde einen Funkkontakt mit einem deutschen Polar-Forschungsteam in der Antarktis erfolgreich erstellt. Die Schülerinnen und Schüler konnten ihre Fragen an die Forscher stellen.

 

Seit Januar 2024 leite ich das FUTURA-Projektes und gebe zwei inaktiven Satellitenantennen mit einem Durchmesser von 12 m und 11 m ein zweites Leben. In enger Zusammenarbeit mit Amateurfunk-Spezialisten aus Deutschland und Frankreich und mit der Universität-Kiel bauen wir eine Radiosternwarte zu Ausbildungszwecken auf. Am Brennpunkt der größten Antenne haben wir einen von einem Schüler gelöteten Empfänger eingebaut und damit die ersten Radiosignale aus unserer Galaxie empfangen. Die Dopplerverschiebung von Quantensprüngen in Wasserstoffwolken, die 10000 Lichtjahre von uns entfernt sind: Ich finde unglaublich, dass wir es messen können und dass Schülerinnen und Schüler die Messdaten auswerten lernen!

 

Ein guter Umgang mit der Kritik, Hartnäckigkeit und Ausdauer, ein Blick auf das Wesentliche, Aufgeschlossenheit, Anpassungsfähigkeit, Innovationskraft, Belastbarkeit, Stressbewältigungsstrategien und der Willen, immer mein Bestes zu geben.

Liebe junge Frauen, blicken Sie in die Zukunft, sie wartet auf Sie. Um Ihre Träume zu verwirklichen, werden Sie kämpfen müssen. Vergessen Sie aber nicht: Sie sind viel besser, als was Sie denken! Weil Sie anders als Männer arbeiten, sind Sie die beste Ergänzung und Bereicherung für die Wissenschaft. Frauen stärken und motivieren Männerteams und alle zusammen erreichen bessere Ergebnisse. Treten Sie selbstbewusst auf und werden Sie Wissenschaftlerin, Ingenieurin, Lehrerin oder Physikerin. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

EXPERIMINTA